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Gedenknachmittag für unsere Verstorbenen am 16.Oktober 2011

Der Herbst steht im Zeichen des Totengedenkens. Wenn die Tage kürzer werden und die Natur sich auf den Winter vorbereitet, erinnern sich die Menschen an ihre Verstorbenen und ihre eigene Vergänglichkeit. Mit einem Trauergedenk-Nachmittag wollte die Nachbarschaftshilfe Isen abseits der offiziellen Totengedenktage von Kirche und Staat die Möglichkeit zu individueller Trauer geben. Ein lila Tuch symbolisiert den Weg der Trauer. Patrizia Brambring hat es mit Blumen und Kerzen geschmückt. Die Leiterin der Nachbarschaftshilfe (NBH) hat Körbe außerdem mit Scherben und Steinen, Kerzen und Blumen neben den Weg gestellt. Die einzelnen Gegenstände stehen für das zerbrochene Leben, die innere Versteinerung, die der Verlust des geliebten Menschen auslöst, das Licht, das uns manche Menschen in unserer Trauer sein können, und den Wunsch, das Leben wieder erblühen zu lassen. Nacheinander stehen die Besucher auf und legen Blumen nieder, streuen Steine aus oder zünden Kerzen an.

Die Gedenkfeier, so die Intention Brambrings, soll den Trauernden stärken, seinen Lebensweg weiterzugehen. „Nicht gedankenlos dahinleben, sondern den Blick bewahren für die kleinen und großen Schönheiten des Lebens“, diese Botschaft möchte Brambring den Besuchern für deren ganz persönliche Trauerbewältigung mitgeben. „Lassen Sie los, was belastet, sehen Sie, was schön war“, lautete ihr Rat. Auf allgemeine Aspekt der Trauerarbeit und Trauerbegleitung ging Ruhestandspfarrer Franz Gasteiger in einem anschließenden Referat ein. Denn die Erkenntnis, „was beim Trauern geschieht“, so der Pfarrer, könne manchmal hilfreich beim Umgang mit der eigenen Trauer sein. Trauer so erklärt er anhand eines Kommunikationsmodells, das der evangelische Pfarrer Waldemar Pirsarski entwickelt hat, ist der Abbruch von Beziehungen. „Wenn jemand oder etwas, mit dem wir in Beziehung standen, verloren geht, löst das Trauer aus“, sagte Gasteiger. „Ich weiß, dass meine guten Gefühle keinen Adressaten mehr haben, und dass meine negativen Gefühle nicht mehr zu revidieren sind“.

Der Seelsorger riet deshalb dringend, Beziehungen rechtzeitig in Ordnung zu bringen. „Ich kenne viele, die leiden wie die Hunde, weil sie das nicht mehr gemacht haben“, gab er seine Erfahrung  als Trauerbegleiter wieder. Obwohl man wisse, dass es festumrissene Trauerphasen gebe, existiere diesbezüglich kein Automatismus. „Jeder wird seinen eigenen Weg gehen“, sagte Gasteiger, „einer packt es, nach sieben bis acht Monaten, wieder entspannt zu leben, ein anderer braucht Jahre dazu“. Doch die Umwelt akzeptiere oft nicht, dass der Trauernde diesen individuellen Weg gehe. „Jetzt muss Schluss sein“, bekomme er in solchen Fällen zu hören. Und auch der ebenso billige wie dumme Trost „Es wird schon wieder“, gehe ins Leere, „weil nichts mehr so wird, wie es war“.

Gasteiger riet den Menschen in der Umgebung des Trauernden, sich Zeit zu nehmen und einfach da zu sein. Dabei sei eine vorsichtige Berührung und mitfühlendes Schweigen oft hilfreicher als vieles Reden. Da das Sterben Bestandteil des Lebens sei, wachse uns „aus einer gelungenen Trauerarbeit eine neue Lebensperspektive zu“, so die Schlussworte Pfarrers. Und weil das Sterben zum Leben gehört, wird im Anschluss gemeinsam Kaffee getrunken und werden angeregte Gespräche geführt, während die Kerzen auf dem Trauerweg still vor sich hinbrennen.
Gedenktag 16.10.2011
Stimmungsvoll war die Trauerfeiher, die die NBH Isen für trauernde Angehörige veranstaltet hat.

Bericht und Bilder: Anne Huber, Isen

Patrizia Brambing bedankte sich bei Ruhestandspfarrer 
Franz Gasteiger mit einem kleinen Präsent.


 
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